Dr. rer. nat. Léa Chuzel mit der Otto-Hahn-Medaille ausgezeichnet

Traditionsauszeichnung der Max-Planck-Gesellschaft an ehemalige Wissenschaftlerin des Max-Planck-Instituts Magdeburg verliehen

22. Juni 2023

Die Biotechnologin Dr. rer. nat. Léa Chuzel, Alumna der Forschungsgruppe Bioprozesstechnik am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg, wurde am 21. Juni 2023 mit der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft ausgezeichnet. Damit würdigt die Max-Planck-Gesellschaft ihre herausragenden Leistungen als Doktorandin des Magdeburger MPI. Die Ehrung wurde ihr im Rahmen der 74. Jahresversammlung der Max-Planck-Gesellschaft in Göttingen verliehen.

Ein Wissenschaftlerteam um Dr. Erdmann Rapp in der Abteilung Bioprozesstechnik (Leitung: Prof. Dr.-Ing. Udo Reichl) beschäftigt sich im Rahmen von Forschungsarbeiten in der Glykobiologie mit der Entwicklung von Verfahren zur Analyse und Modifikation komplexer Zuckerstrukturen. Dieses Thema hat sich in den letzten Jahrzehnten als spezialisierter Wissenschaftszweig etabliert, der sich auf die Struktur, Biosynthese, Analyse und Biologie der so genannten Glykane fokussiert.

Die Verfahren werden vor allem in der Medikamentenentwicklung, in der Medizin sowie in der Biotechnologie und Lebensmittelindustrie angewandt, um zum Beispiel bereits bei der Entwicklung neuer Pharmazeutika Unverträglichkeiten zu vermeiden oder deren Wirksamkeit und Nutzen zu optimieren.

In ihren Studien etablierte Léa Chuzel einen sehr umfassenden Workflow, der die Entdeckung neuer Enzyme ermöglicht, die auf Glykane wirken können. Beim Screening von Metagenom-Bibliotheken aus Escherichia coli, die insgesamt fast 100.000 Klone aus einer Vielzahl von Ökosystemen umfassten, wurde ein neuartiges Enzym, eine so genannte Exosialidase identifiziert. Diese katalysieren die Abspaltung von terminalen Sialinsäuren, die an komplexe Kohlenhydratstrukturen gebunden sind und zum Beispiel bei der Immunantwort oder bei Krebserkrankungen eine wichtige Rolle spielen können.

Die Arbeit von Léa Chuzel „zeigt den Nutzen der funktionellen Metagenomik zur Identifizierung präziser Enzymspezifitäten auf, um Probleme in der Glykobiologie und Glykoanalytik zu lösen. Der Einsatz dieser sehr leistungsfähigen Methode kann helfen, neue Enzymklassen zu identifizieren, die auf Glykane wirken, ungewöhnliche Enzymspezifitäten aufdecken und neue Tools zur Glykananalyse hervorbringen.“, bewerten die Betreuer am MPI Magdeburg, Prof. Dr.-Ing. Udo Reichl / Dr. Erdmann Rapp, die Ergebnisse dieser Promotionsarbeit.

Léa Chuzel hat ihre Promotionsarbeit zu „Application of functional metagenomics to glycan analysis“ in Kooperation mit dem Biotechnologie-Unternehmen New England Biolabs, USA, (Betreuer: Dr. Christopher H. Taron) verfasst und im November 2021 erfolgreich verteidigt. Für die Arbeit war Léa Chuzel von November 2019 bis November 2021 als Doktorandin am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg tätig, von Oktober 2017 bis Oktober 2019 forschte sie bei New England Biolabs in Ipswich (Massachusetts, USA). Ihren Masterabschluss in „Drug Design and Production“ erwarb sie an der Université de Strasbourg, Frankreich (2015-2016); ihren Ingenieurabschluss an der Ecole Supérieure de Biotechnologie de Strasbourg, Frankreich (2013-2016). Ihrem Studium ging eine medizinisch-labortechnische Ausbildung am Institute of Technology in Dijon, Frankreich (2011-2013), voraus. Gegenwärtig ist Léa Chuzel als Gruppenleiterin, Gruppe für funktionelles Metagenomik-Screening bei New England Biolabs, Boston Area, USA, tätig und verfolgt dort ihr Forschungsthema weiter.

 

Über die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft

Die Max-Planck-Gesellschaft verlieh im Rahmen ihrer 74. Jahresversammlung eine besondere Ehrung an 29 junge Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Sie erhielten die Otto-Hahn-Medaille für herausragende wissenschaftliche Leistungen, die sie im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit erbracht haben. Die feierliche Verleihung der mit 7.500 Euro dotierten Medaillen fand im Rahmen der Sektionssitzungen des Jahrestreffens in Göttingen statt. Mit der Auszeichnung sollen besonders begabte Personen zu einer Hochschul- oder Forschungskarriere motiviert werden.

Über das Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg

Im ersten ingenieurwissenschaftlichen Institut der Max-Planck-Gesellschaft forschen über 200 Mitarbeitende aus 29 Nationen. Systemwissenschaftlich orientierte Grundlagenforschung ist seit nunmehr 25 Jahren der Schlüssel zum Erfolg des Magdeburger Max Planck Instituts. Dabei werden theoretische und experimentelle Methoden eng miteinander verbunden, um die Grundlagen für zukünftige Prozesstechnologien zu erarbeiten, mit denen sich Produkte und Energieträger umweltfreundlich und kostengünstig aus erneuerbaren Ressourcen herstellen lassen.

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