Magdeburg, 9. Feburar 2009
Verbund aus Industrie und Forschungseinrichtungen entwickelt neue Aufreinigungsmethoden in der Biotechnologie
Drei deutsche Industrieunternehmen wollen gemeinsam mit Forschern von drei
Lehrstühlen deutscher Universitäten und dem Magdeburger Max-Planck-
Institut innovative Verfahren zur Effizienzsteigerung biotechnologischer
Herstellungsprozesse entwickeln.
Das ambitionierte Verbundprojekt startete
mit Unterstützung des BMBF im Oktober 2008 im Rahmen der
Fördermaßnahme „Wettbewerb zur Stärkung des Produktionsstandortes in der
Biotechnologie – Entwicklung neuer Aufreinigungsmethoden“.
Basierend auf raschen Fortschritten bei Diagnose und Behandlung von
Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder der Therapie von Krebs und
entzündlichen Prozessen zeichnet sich eine weitere Steigerung des heute schon erheblichen
Marktpotenzials für biotechnologisch hergestellte Produkte ab.
Um den damit verbundenen Marktanforderungen gerecht zu werden, sind biotechnologische Produktionssysteme
kontinuierlich verbessert worden. Hierbei konzentrierte man sich bisher vorwiegend auf die
Verbesserung von Fermentationstechnologien und die Steigerung der Prozessausbeuten.
Um weitere Fortschritte bei der Herstellung pharmazeutischer Produkte zu erzielen, sollte
das Augenmerk zukünftig verstärkt auch auf Methoden und Engpässe in der Aufreinigung
der jeweiligen Produkte, dem sogenannten Downstream Processing (DSP), gerichtet
werden. Dies betrifft sowohl den Durchsatz und die Ausbeute in den entsprechenden
Prozessstufen als auch Fragen bezüglich der Qualität und der Reinheit der gewünschten
Wirkstoffe.
Die Weiterentwicklung und Optimierung von spezifischen Aufreinigungsmethoden für
rekombinante humane Glykoproteine, wie z. B. Hormone und Wachstumsfaktoren, ist ein
zentrales Thema des Vorhabens. Mit Hilfe von neuen Trägermaterialien sollen geeignete
Trennprozesse bis in den präparativen Maßstab etabliert und hinsichtlich Gesamtausbeute
und Fraktionierung optimiert werden. Dieser Schritt wird durch den Einsatz mathematischer
Modelle unterstützt.
Ein weiterer Fokus sind Verfahren zur verbesserten Aufreinigung von Influenzaviren und
viralen Glykoproteinen für die Impfstoffherstellung. Die Mehrzahl aller zugelassenen
Influenzaimpfstoffe wird gegenwärtig immer noch in bebrüteten Hühnereiern produziert.
Aufgrund der limitierten Skalierbarkeit dieser Prozesse und des Risikos allergischer
Reaktionen auf Eierproteine wird gegenwärtig die Impfstoffproduktion von einer Vielzahl der
Produzenten auf Säugetierzellen umgestellt. Des Weiteren können pandemische
Influenzaimpfstoffe für die Vogelgrippe sehr wahrscheinlich nicht in Hühnereiern produziert
werden.
Bisher angewandte Aufreinigungsprozesse für Influenzaviren basieren nahezu ausschließlich
auf diskontinuierlichen Prozessen. Die Entwicklung und Anwendung von kontinuierlichen
Verfahren basierend auf Affinitätsmedien, die mit Biopolymeren funktionalisiert sind, würde
auch diese Prozesse erheblich effizienter ablaufen lassen.
An dem Verbundprojekt sind beteiligt:
- EMC microcollections GmbH, Tübingen
- IDT Biologika GmbH, Dessau-Roßlau
- Merckle Biotec GmbH, Ulm
- Prof. Udo Reichl, Lehrstuhl für Bioprozesstechnik an der Otto-von-Guericke-
Universität Magdeburg
- Prof. Andreas Seidel-Morgenstern, Lehrstuhl für Chemische Verfahrenstechnik an der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
- Prof. Stefan Laufer, Lehrstuhl für Pharmazeutische/Medizinische Chemie der
Eberhard Karls Universität Tübingen
- Prof. Kai Sundmacher, Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer
Systeme in Magdeburg
Ihr Kontakt zum Max-Planck-Institut Magdeburg
Gabriele Krätzer M.A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme
Sandtorstraße 1
D-39106 Magdeburg
Tel: +49-391-6110-144
Fax: +49-391-6110-518
E-mail: presse@mpi-magdeburg.mpg.de
www.mpi-magdeburg.mpg.de
Dr. Michael Wolff
Projektkoordination; Fachgruppe Bioprozesstechnik
Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme
Sandtorstraße 1
D-39106 Magdeburg
Tel: +49-391-6110-231
Fax: +49-391-6110-588
E-mail: mwolff@mpi-magdeburg.mpg.de
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